Filmplakat

Poll (Bildnachweis: Piffl)© Piffl

DVD-Cover (LE)

Poll (Bildnachweis: good!movies)© good!movies

Poll

Stab und Besetzung

Originaltitel: Poll. Internationaler Titel: The Poll Diaries. Kinostart: 16.09.2010 (CA), 03.02.2011 (DE). Verleih: Piffl Medien (DE). Länge: 133 Min. (Presseheft) bzw. 139 Min. (FSK). FSK: ab 12 Jahren (Freigabekarte). FBW: besonders wertvoll (Begründung).

Regie: Chris Kraus. Drehbuch: Chris Kraus. Kamera: Daniela Knapp. Schnitt: Uta Schmidt. Szenenbild: Silke Buhr (Szenenbild). Kostümbild: Gioia Raspé. Maskenbild: Susana Sánchez (Head of Make Up/SFX). Musik: Annette Focks. Ton: Heinz K. Ebner (Tonmeister), Philipp Kemptner (Sound Design & Music Editor), Bernhard Maisch (Mischtonmeister). Visuelle Effekte: Geoffrey Kleindorfer (Visual Effects Supervisor).

Darsteller: Paula Beer (Oda von Siering), Edgar Selge (Ebbo von Siering), Tambet Tuisk (Schnaps), Jeanette Hain (Milla von Siering), Richy Müller (Mechmershausen), Enno Trebs (Paul von Siering) u.a. [in der Reihenfolge der Titelsequenz]

Inhalt

Synopsis (Presseheft):

Juni 1914. Die 14-jährige Oda von Siering kehrt zu ihrer Familie an die baltische Ostseeküste zurück, eine entlegene Provinz des Zarenreiches, in der Deutsche, Russen und Esten einander misstrauisch belauern.

Oda begleitet die sterblichen Überreste ihrer Mutter, mit der sie bis zu deren Tod in Berlin lebte. Auf Poll, dem Gut der adligen deutschbaltischen Familie, trifft das temperamentvolle und etwas altkluge Mädchen auf eine Gesellschaft, die inmitten eines porösen Idylls ihrem Zusammenbruch entgegengeht. Ihr Vater Ebbo, ein verschrobener Arzt und Hirnforscher, widmet sich fanatisch seinen von der akademischen Lehre missachteten Studien; ihre somnambule Tante Milla ist in eine Affäre mit dem schroffen Verwalter Mechmershausen verstrickt; Cousin Paul, junger Kadett der russischen Armee, macht der herablassenden Verwandten ungeschickt den Hof.

Als Oda zufällig einen von zaristischen Truppen schwer verwundeten estnischen Anarchisten in einem verlassenen Nebengebäude findet, entscheidet sie aus einem romantischen Impuls heraus, ihm zu helfen. Obwohl die Entdeckung des namenlosen Verletzten, der sich nur "Schnaps" nennt, dramatische Konsequenzen für ihre Angehörigen und sie selbst haben könnte, verbirgt sie ihn mitten auf dem Gut Poll, um ihn heimlich gesundzupflegen. Wann immer sie es es einrichten kann, flieht sie aus der erdrückenden Enge des Familienlebens zu diesem so ganz anderen Mann, einem geflohenen Sträfling und verbotenen Autor, der all ihr kindliches Sehnen nach einem Leben voll Romantik und Gefahr befeuert. Doch "Schnaps" plant, das Gut Poll so schnell wie möglich wieder zu verlassen.

Allerdings rechnet er nicht mit der Glut und Wucht der Gefühle einer leidenschaftlichen Halbwüchsigen, die mit ihrer ganzen Welt brechen möchte, bevor die Welt sie bricht. In der Hitze des estnischen Sommers spitzen sich die Konflikte auf dem Gut Poll unausweichlich zu, bis es um nichts weniger geht als um Leben und Tod.

Quelle: Piffl Medien (Presseheft)

Auszeichnungen

  • 32. Bayerischer Filmpreis (14.01.2011): Bester Darsteller (Edgar Selge), Beste Nachwuchsdarstellerin (Paula Beer) & Bestes Szenenbild (Silke Buhr)
  • 61. Deutscher Filmpreis (08.04.2011): Beste darstellerische Leistung - männliche Nebenrolle (Richy Müller), Beste Kamera (Daniela Knapp), Bestes Szenenbild (Silke Buhr) & Bestes Kostümbild (Gioia Raspé)

Bayerischer Filmpreis - Darsteller (Begründung):

Leichen zu mögen - ja geradezu eine morbide Phantasie für das Böse im Menschen zu entwickeln, ist nicht jedermanns Sache. Aber in Chris Kraus' Film "Poll" dürfen wir Edgar Selge als baltischem Gutsherrn Ebbo von Siering bei seiner Lust am Sezieren, Zerlegen und Einlegen so schonungslos zuschauen, dass wir zwischen Entsetzen und Faszination hin- und hergerissen sind. Denn Edgar Selge spielt diese Figur nicht nur mit perfekten handwerklichen Mitteln. Er durchdringt diesen Ebbo von Siering bis hinein in die Tiefenschichten eines Menschen im Extremen. Dabei begegnet uns stets auch ein Verzweifelter: vor Eifersucht, Ehrgeiz und Einsamkeit. Und in all dieser Anti-Kraft blitzen immer wieder Momente von Zärtlichkeit und Liebe für seine Tochter Oda auf. Das alles ist grandiose Schauspielkunst!

Quelle: Bayerische Staatskanzlei, Pressemitteilung, 14.01.2011

Bayerischer Filmpreis - Nachwuchsdarstellerin (Begründung):

Paula Beer ist mit ihrer ersten Rolle in "Poll" von Chris Kraus die Entdeckung dieses Kinojahrs. Mit großer Ernsthaftigkeit, Natürlichkeit, Leidenschaft und einer wunderbaren Ausstrahlung spielt sie die Schriftstellerin Oda Schaefer als 14jähriges Mädchen. Auf dem Gut ihres Vaters im Baltikum versteckt und pflegt sie einen verwundeten estnischen Anarchisten und lernt von ihm die Grundzüge literarischen Erzählens. Die eindringliche Darstellung ihrer zarten Gefühle zu diesem Mann, ihres kindlichen Sehnens nach Abenteuer und Gefahr, nach Leidenschaft und Romantik verzaubern den Zuschauer und machen neugierig auf die schauspielerische Entwicklung von Paula Beer.

Quelle: Bayerische Staatskanzlei, Pressemitteilung, 14.01.2011

Bayerischer Filmpreis - Szenenbild (Begründung):

Silke Buhr ist nicht nur eine begnadete Gestalterin von Orten, Räumen und Bildern, sondern eine Virtuosin zwischen dem Denkbaren, Möglichen und Wirklichen. Das Gut Poll, das sie für den gleichnamigen Film von Chris Kraus in Estland entworfen und gebaut hat, verbindet historisch gelebte Räume mit Phantasieorten, die fast zeitlos und ein wenig aus der Welt gefallen wirken. Das "Haus im Meer" drückt auf anmutig-melancholische Weise die Schönheit und zugleich Vergänglichkeit der untergegangenen Epoche vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs aus. Dafür hat Silke Buhr Materialien aus aller Welt zusammengetragen und damit eine ganz eigene Atmosphäre - verstärkt durch Farben und spezielle Formen - für uns, die Zuschauer, erschaffen. Dass unser Hier und Jetzt schon morgen nur noch als Erinnerung in uns lebt, dafür haben Silke Buhr und ihr Team nie da gewesene Orte für das Kino neu entdeckt.

Quelle: Bayerische Staatskanzlei, Pressemitteilung, 14.01.2011

Altersfreigabe im Vergleich

  • DE: Freigegeben ab 12 Jahren.

FSK (Freigabebegründung):

Im Mittelpunkt des historischen Dramas steht die 14jährige Oda, die auf einem estländischen Gut im Jahr 1914 einen jungen, verwundeten Anarchisten versteckt und damit eine Folge von dramatischen Ereignissen auslöst. Die düstere Schilderung einer untergehenden Gesellschaft, in der sich immer mehr Gewalt Bahn bricht, ist durch die moderate und charakterbetonte Erzählweise bereits für 12jährige emotional zu verarbeiten. Einzelne erschreckende Szenen und Gewaltakte werden erzählerisch behutsam aufgelöst und eher distanziert dargestellt, sodass keine zu belastende Irritation zu erwarten ist.

Quelle: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) [Zugriff: 21.07.11]